Stichwort des Monats: Jugaad

Wer die Wirtschaftsnachrichten der vergangenen Wochen verfolgt hat, ist mit Sicherheit auf die Horrormeldungen aus dem Verkehrsbereich gestoßen: Verhakte Gaspedale, gefährliche Bremsen, kaputte Achsen etc. Aber auch sonst hat man es immer öfter mit Produkten zu tun, die „ab Werk“ fehlerbehaftet sind, vom Handy über den PC bis zur Kaffeemaschine. Sich weiterhin beschleunigende Innovationszyklen kollidieren hier offensichtlich mit Markteinführungszeiten und Qualitätsmanagement. „Jugaad“ drängt sich auf, die Sache „irgendwie hinbekommen“. Hauptsache, man nimmt am Wettbewerb teil, selbst auf Kosten der Kunden.

Warum diese Umschreibung ausgerechnet in Indien entstanden ist, weiß keiner so genau. Vielleicht spielt das Billigauto „Tata“ eine Rolle. Dennoch muss Jugaad nicht zwangsläufig negativ interpretiert werden. Die Experten von McKinsey beispielsweise sollen laut einem Artikel in „Business Week“ Jugaad schon auf ihre Agenda für künftige Unternehmensentwicklungen gesetzt haben, als Innovationsmotor , als Antrieb für Erfindergeist. „In der heutigen Zeit der Herausforderungen sind amerikanische Unternehmen gezwungen, mit einem Plan B umgehen zu lernen“, heißt es da. „Aber indische Ingenieure wissen schon lange, wie man mit einfachsten Mitteln Dinge schafft, die funktionieren, billig sind und schnell verkauft werden können. Und das ist Jugaad.“